Für Planungsfehler zahlt der Stromkunde!

Windpark ohne Strom

Weitsicht ist nicht gerade die Stärke der Bundesregierung, dies könnte wohl der Konsens des Heute auf Spiegel Online veröffentlichten Interviews mit dem Chef des Netzbetreiber „Tennet“ sein.

Der Netzbetreiber Tennet ist verantwortlich die Stromanbindung für Hochsee-Windparks sicherzustellen. Leider gelingt ihm dies nicht in dem Umfang, in welchem neue Windparks entstehen.

Begründet werden die Verzögerungen mit fehlen Kranen, hohen Lieferzeiten der Zulieferer und fehlenden politischen Rahmenbedingungen. Seitens der Industrie werden Lieferzeiten von mindesten 50 Monaten vorgegeben, aber der Netzbetreiber sei verpflichtet, einen Windpark innerhalb von 30 Monaten anzuschließen.

Aus dem Interview geht hervor, das es bei Tennet ein Kapitaldefizit gibt, welche durch „absurde Vorstellungen“ seitens der Regierung zu verantworten sei. Lex Hartman der Chef von Tennet beklagte in seinem Interview, das eine einzige Firma die dafür nötige Infrastruktur allein finanzieren soll. Laut Hartman habe Tennet in den letzten zweieinhalb Jahren rund sechs Milliarden Euro in den Ausbau investiert. Bis 2020 rechnet Hartman mit weiteren Investitionskosten von knapp 20 Milliarden Euro.

Hartman

Der Netzbetreiber Tennet ist ein Unternehmen, das zu 100 Prozent der niederländischen Regierung gehört und 2010 einen Teil des Netzes dem Energiekonzern E.on abgekauft hat. Heute lässt sich erahnen, dass sich dies langfristig auf die Strompreise auswirken wird. Der Kaufpreis des Unternehmens betrug 2010 rund eine Milliarde Euro. Die Investitionskosten müssen also von Investoren oder Banken Banken aufgebracht werden.

Leider führt dieser Geldmangel zu zeitlichen Verzögerungen beim Anschließen der Windparks. Die Firma Windreich verlangt Schadenersatz in Millionenhöhe. Hartman möchte diese Forderungen auf die Stromkunden umlegen. Begründet wird diese Forderung mit fehlenden politischen Rahmenbedingungen und fehlenden gesetzlichen Vorgaben für die Planung von Windparks. Hartman hofft, dass ihn die Bundesregierung bei der Investorensuche unterstützt oder die KfW-Bank einspringt.

Ob nun zukünftig Windparks ans Netz gehen, oder nicht, fakt ist, man hat tatsächlich den Eindruck, hier lief wohl irgendetwas schief. Ein neoliberal geführtes Wirtschaftsministerium schafft soviel unternehmerische Freiheiten, das dem Wildwuchs die Planlosigkeit folgt.

Bloß gut, dass es noch den Stromkunden gibt, der planmäßig mehr zahlt!

Quelle: Spiegel Online | Stromnetzbauer Tennet | 22.08.12

Mittwoch, 22 August 2012 20:54
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